Niemand darf zurückgelassen werden. Der Kampf der JOBLINGE. Zahl der Geburten auf Rekordtief. Talentpool halbiert sich

12
Nov 2010

Gerade fegt ein Orkan-Tief über Deutschland. Gleichzeitig kommt die Meldung über ein anderes Tief: Geburtenzahl sinkt auf Rekordtief. 2009 gab es nicht halb so viele Geburten wie 1964. 1964 kamen in Deutschland 1,4 Millionen Babys zur Welt. 2009 wurden noch 665.000 Kinder geboren; auch im Vergleich zu 2008 ist die Zahl der Geburten um 17.000 weiter gesunken. Errechnet vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden und heute veröffentlicht.

Schon im Juni 2008 schrieb die ZEIT: “Bis 2020 wird es Prognosen zufolge bis zu 170.000 Schulabgänger weniger geben – ein Drittel weniger potenzielle Auszubildende.” Statistiker verkünden dies natürlich schon seit dem Ende des letzten Jahrtausends. Seit März 2010 häufen sich die Schlagzeilen. Am 16.03.2010 titelten die BILD: “Absoluter Tiefpunkt bei den Schülerzahlen” und das Handelsblatt: “Mehr Neurentner als Berufseinsteiger“. Die “Zeitbombe demografischer Wandel” wurde anschaulicher auch durch eine Umfrage des DIHK, die aufzeigte: “Bei rund 220.000 aktiven Ausbildungsbetrieben in Industrie, Handel und Dienstleistungen bedeutet das, dass rund 50.000 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben sind.” Viel wird in diesem Zusammenhang auch diskutiert über die Ausbildungsreife: “Immer mehr Unternehmen organisieren inzwischen Nachhilfe. Das ergab eine Umfrage unter mehr als 15.000 Unternehmen.” Hauptgeschäftsführer des DIHK Dr. Martin Wansleben betont aber im Gespräch mit BERLINboxx: „Wir sollten unsere Jugendlichen nicht unnötig schlecht reden… Der überwiegende Teil der Jugendlichen kommt nach wie vor motiviert und mit einer guten Allgemeinbildung in die Betriebe.“

In derselben aktuellen Ausgaben der BERLINboxx mit dem Titel “Mangelware Azubi” wird Prof. Dr. Annette Schavan zitiert: „Niemand darf zurückgelassen werden“. Das BMBF will mit der Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“ dazu beitragen. Ich wünsche dieser Initiative von Herzen alles Gute, dass sie besser anläuft und sinnvoller vernetzt wird als das Technikum. Warum hat das BMBF bei der Suche nach Praktikanten für das Technikum nicht auf die ebenfalls vom BMBF finanzierten Programme Girls Day, JobStarter, Komm-mach-MINT usw. zurückgegriffen und stattdessen für mehrere Millionen Euro einen Praktikanten gefunden. Jedes dieser BMBF-Programme hätte nur einen einzigen Praktikanten empfehlen müssen, um auf etwa 10.000 Bewerber zu kommen. Liegt es daran, dass jedes Programm um seine eigenen Zahlen für die Evaluation kämpft? Oder welche Erklärung habt ihr? Es wird zu wenig zielgerichtet vernetzt. Oder? So waren auch meine Briefe an Herrn Prof. Dr. Driftmann vom April und August 2010 gemeint: “Darum ging es mir mit meinem Brief. Sich gegenseitig zuhören, voneinander lernen, und wo es passt pragmatisch zusammen arbeiten.”

Gute Erfolge durch Vernetzung zeigt bereits die Initiative JOBLINGE von The Boston Consulting Group und der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG. Erst vor zwei Wochen war ich bei dem Berlin-Auftakt von ROCK YOUR LIFE. Vorgestern wurde nun im Berlin Capital Club die Initiative “JOBLINGE” vorgestellt, speziell die frisch gestartete JOBLINGE gAG Berlin. Hintergrund: Jeder zweite Hauptschulabgänger in Deutschland hat ein Jahr nach Verlassen der Schule noch keinen Ausbildungsplatz. Daher stellt JOBLINGE für Michael Radder aus München, der die Partner von JOBLINGE betreut, einen Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit dar. Anders als ROCK YOUR LIFE, die Hauptschüler während ihrer Schulzeit zwei Jahre ehrenamtlich betreuen, setzt JOBLINGE bei älteren Jugendlichen an, die die Schule bereits verlassen haben – mit oder ohne Schulabschluss und keine Ausbildung finden. Herr Richard Gaul, aktiver Unruheständler von BMW und ehrenamtlicher Vorstand der JOBLINGE gAG Berlin, berichtete am Mittwoch Abend von seinem Erfahrungen als ehrenamtlicher Mentor. Einer seiner Mentee hatte schon sieben “Maßnahmen” des Arbeitsamtes gemacht, aber keine Lehrstelle gefunden. Mit Hilfe der Schulungen durch die JOBLINGE gAG Berlin, den ehrenamtlichen Einsatz von Herrn Gaul und seinem weiterhin guten Draht zu Herrn Hans-Reiner Schröder bei BMW Berlin hat dieser 23-jährige Mentee nun einen Ausbildungsplatz und seine Chance bekommen, die er sofort ergriffen hat. Deutlich wird an diesem Beispiel auch die großartige Unterstützung von einem Netzwerk aus Politik, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und dem sogenannten drittem Sektor, das aus Bayern kommemd seit 2007 entwickelt, umgesetzt und auf lokaler Ebene mit immer neuen Kooperationspartnern angereichert wird. Dabeit trägt JOBLINGE dazu bei, dass niemand zurück gelassen wird, wie Frau Schavan es formuliert hat.

In Berlin sind 20.000 Jugendliche arbeitslos, deutschlandweit sind rund 350.000 junge Menschen arbeitslos und zusätzlich 500.000 in staatlichen Übergangsmaßnahmen. “Das ist eine tickende Zeitbombe: Wir müssen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen”, beschreibt Stephan Schwarz die Motivation seines Unternehmens GRG Service Berlin, an der “Joblinge”-Initiative teilzunehmen. JOBLINGE fußt auf Praxisbezug + persönlicher Betreuung: 1. Praxisorientiertes Lernen, 2. Persönliche Unterstützung durch Mentoren, 3. Bündelung des lokalen Engagements und 4. Professionelle Steuerung. Lokale Jobcenter der Agentur für Arbeit schlagen JOBLINGE potenzielle Teilnehmer vor. In einem erprobten Prozess mit gemeinnütziger Arbeit, Trainings sowie einem Kultur- und Sportprogramm führt der Weg über ein Bewerbungspraktikum zu einer Ausbildung. So der Idealfall. Natürlich kommt es vor, dass JOBLINGE zu spät zum Praktikum kommen, da sie in ihrer Familie die einzige Person sind, die plötzlich morgens aufstehen muss. Oder ein JOBLING ist sich zu fein und weigert sich, nach anspruchvollen Montagearbeiten auch mal die Werkstatt zu fegen. Gerade für solche Momente sind die neutralen Mentoren wichtig, die solche Brüche durch menschliche Zuwendung und natürliche Authorität kitten können. Dass sich ein erfolgreicher Ex-BMW-Manager mit einem Ex-Hauptschüler ohne Schul- oder Berufsabschluss trifft und Interesse an diesem Menschen zeigt, hat schon eine große Wirkung, so die persönlichen Berichte im Berlin Capital Club. Seit 2007 wurden etwa 250 benachteiligte Jugendliche unterstützt durch 150 ehrenamtliche Mentoren und etwa 400 Partnerunternehmen. Die Vermittlungsrate von über 70 Prozent in Ausbildung und Beruf zeigt den Erfolg, denn alle Jugendlichen, die die Jobcenter zu JOBLINGE schicken, gelten ja bereits als unvermittelbar. Ein Großteil der Kosten wird durch öffentliche Mittel getragen, bisher über 2 Mio. Euro. Auch in Berlin wird die JOBLINGE gAG Berlin mit 80% durch den Berliner Senat finanziert. Die Aktionäre der gemeinnützigen AG sind in Berlin: AGV Nordostchemie, GRG Services, BMW, BCG, IC BCE Nordost, UVB, BSR, Siemens AG und RöverBrönner.

Hintergrund des breiten Engagements ist natürlich auch ein neues Bewußtsein um den schrumpfenden Talentpool: “Die Zahl junger Menschen zwischen 16 und 20 Jahren halbiert sich zwischen 2005 und 2050 auf gerade einmal 2,2 Millionen Menschen.” Dies ist auch der Grund für die NORD/LB, neue Wege zu gehen und über den NORDPOOL auf Empfehlungen von Mentoren zu setzen, deren Rat bei Schülern ankommt. Eine zweite Art der Empfehlung von Azubis basiert auf Empfehlung von Unternehmen: Statt Absagen werden gute Bewerber im Verband intern weiter empfohlen – beispielsweise vom Verband der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg e.V. und vom DEHOGA Berlin zur Empfehlung guter Bewerber intern unter den Mitgliedern  – natürlich datenschutzrechtlich korrekt und NUR wenn der Schüler will! Für Verbände ist es eine einfache, wirkungsvolle Service-Aufgabe gegenüber ihren Mitgliedern, die nun mit einem Klick intern gute Bewerber an die anderen Unternehmen weiter empfehlen können. Ein Beispiel von Siemens und G-Elit.

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Schon in der Schule den Fachkräfte-Nachwuchs suchen

10
Dez 2009

In einem Artikel vom 10. Dezember 2009 berichtete der Südkurier, dass die Zahl der in eine Ausbildung vermittelten Jugendlichen ebenso wie die Zahl der Ausbildungsbetriebe gestiegen seien. Allerdings zeigte der schon seit langem prognostizierte demografische Wandel erste Auswirkungen: Die zurückgehenden Schulabgängerzahlen zeigten sich nun auch in deutlich weniger Bewerbern auf dem Ausbildungsmarkt. Der „Kampf um Auszubildende“ hat also begonnen, so der Südkurier. …weiterlesen »

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Statt Förster wurde er Rechtsanwalt – Hartfrid Wolff (FDP) im Interview

11
Sep 2009

Auch Herr Wolff, 38 und Rechtsanwalt von Beruf, nahm sich die Zeit, unsere Fragen zu beantworten. Er ist Mitglied des Bundestages und in der FDP-Bundestagsfraktion Sprecher für Ausländerrecht und Zivil-und Katastrophenschutz. Außerdem ist er Mitglied im Innenausschuss des Deutschen Bundestages. Im folgenden haben wir seine Antworten auf unsere Fragen nach seinem persönlichen Bildungsweg sowie nach bildungspolitischen Zielen dargestellt.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Hartfrid Wolff: Wichtigstes Ziel der FDP ist, dass die Mitte wieder gestärkt wird. Die Mittelschicht ist das Bindeglied unserer Gesellschaft. Sie baut Brücken, sie ermöglicht Einstieg und Aufstieg. Dazu setzt sich die FDP für eine spürbare Entlastung der Mitte ein. Die FDP steht für faire Steuersätze und eine grundlegende Vereinfachung des Steuer-rechts. Das schafft den dringend benötigten finanziellen Spielraum für Bürger und Unternehmen: Für mehr privaten Konsum, für Vorsorge für Alter, Gesundheit und Pflege, als Impuls für Wachstum und Investitionen. Die FDP will, dass sich Arbeit wieder lohnt, Bildung wieder Bürgerrecht wird, Freiheit gestärkt wird und Bürgerrechte wieder geschützt werden. Leistungsgerechtigkeit, Weltoffenheit und Toleranz, dafür stehen wir Liberalen.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Hartfrid Wolff: Ich wollte früher einmal Förster werden, weil mir die Arbeit im Wald, mit Tieren und in der Natur reizvoll erschien. …weiterlesen »

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Dolmetscherin und Übersetzerin Fachgebiet Elektrotechnik, Gudrun Kopp, FDP

10
Sep 2009

Gudrun Kopp erzählt uns, wie sie selbst als Exportfachfrau von einem mexikanischen Geschäftsmann mit einer Pistole bedroht wurde und sich die Berufswahl dabei bewährte. Seit 1998 ist Frau Kopp Mitglied des Deutschen Bundestages und setzt sich mit der FDP auch dafür ein, dass das Angebot der Berufs-, Laufbahn- und Finanzierungsberatung gestärkt wird.

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Gudrun Kopp: Ich heiße Gudrun Kopp, bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Von Beruf bin ich Dolmetscherin und Übersetzerin für die Sprachen Englisch und Spanisch, Fachgebiet Elektrotechnik. Ich war 15 Jahre lang Mitglied im Stadtrat meiner Heimatstadt Lage / Kreis Lippe in NRW und bin seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages, derzeit Sprecherin für Energiepolitik und Welthandelsfragen der FDP-Bundestagsfraktion. Seit 1995 bin ich Vorsitzende des FDP-Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Gudrun Kopp: Ich bin Mitglied der Freien Demokratischen Partei (FDP). Meine Ziele sind der Erhalt und Ausbau der persönlichen Freiheit bei gleichzeitiger Eigenverantwortung. Jeder, der sich nicht selbst helfen kann, soll die Unterstützung der Allgemeinheit in Anspruch nehmen können und für jeden gilt nach meiner Überzeugung auch, dass die Chance zur freien Entfaltung der eigenen Persönlichkeit, mit dem Recht auf Bildung, gegeben sein muss.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/ Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus? …weiterlesen »

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