strukturelle Herausforderung: 900.000 Schulabgänger in wenigen Monaten PASSEND vermitteln

13
Okt 2010

YOUNECT ist gerade auf der Messe ZUKUNFT PERSONAL. Dort wurde ich von Manuel Koelman von Talential.com interviewt. Ein paar Kernthesen aus dem gefilmten Interview, das demnächst online erscheint. Der Markt der Azubigewinnung, des Azubimarketings und Azubirecruitings unterscheidet komplett sich vom Markt der Young Professionals, Professionals, Fach- und Führungskräften. Einige Beispiele und Spezifika:

  1. Die Region und regionale Netzwerke haben für Schüler und Unternehmen sehr hohe Bedeutung. Selbst Bertelsmann sucht zu 85% Azubis aus Gütersloh.
  2. Welcher Rat kommt an? Die Vertrauten der Schüler und Schulabsolventen sind die Peers, Freunde, Schülervertreter. Auch bei der Nutzung der Social Media wird hauptsächlich mit Freunden kommuniziert. Laut einer Umfrage der Hochschul-Informations-System GmbH unter 29 000 befragten Schülern wurde 42 Prozent der Schüler in der Berufswahl durch Unterhaltungen mit Freunden geholfen. Es gibt neben den Freunden andere Menschen, mit denen die Schüler gerne reden und ihren Ratschlägen vertrauen: Jugendleiter, Vertrauenslehrer, Mentoren, Paten, Sporttrainer. Diese werden in die Berufswahl noch viel zu wenig einbezogen.
  3. Jedes Jahr aufs Neue extreme Leistung in wenig Zeit. Im Ausbildungsmarkt geht es um die Herausforderung, innerhalb von 12 Monaten eine komplette Abschlussklasse, d.h. ca. 600.000 Schulabgänger in Ausbildung/ Duales Studium und 300.000 Schulabgänger an Hochschulen PASSEND zu vermitteln. Das ist vor allen auch eine strukturelle Herausforderung. Ob dabei die 10.000 Programme und Plattformen wirklich helfen, die großteils parallele Strukturen aufbauen, bezweifle ich. Warum hat beispielsweise das BMBF bei der Suche nach Praktikanten für das Technikum nicht auf die auch vom BMBF finanzierten Programme Girls Day, JobStarter, Komm-mach-MINT usw. zurückgegriffen und stattdessen für mehrere Millionen Euro einen Praktikanten gefunden…
  4. Verfallsdatum von Bewerbungen. Das Horten von guten Bewerbungen von potenziellen Azubis lohnt sich für Unternehmen nicht, da spätestens zum August/September eines Jahres der Wert einer Bewerbung verfällt. D.h. die Empfehlung und Weitergabe guter Bewerber und der Aufbau entsprechender Hilfsmittel macht bei Azubis sehr viel Sinn – deutlich mehr als bei Professionals, Fach- und Führungskräften.

YOUNECT geht daher mit “Azubis auf Empfehlung” neue Wege: Diese beiden Bewerberpools NORDPOOL und PERSONECT nutzen Empfehlungen: Wir setzen auf die Vertrauten der Schüler und die Vertrauten der Personalverantwortlichen. Wir sind fest davon überzeugt, dass
A. in JEDER Branche die Bewerbungen ungleich verteilt sind, was zu vielen Absagen führt, statt interessierte Bewerber in derselben Branche besser zu verteilen. Und
B. jeder Schüler Mentoren um sich herum hat, die stärker in den Prozess der Berufswahl involviert werden können.

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Heißer Herbst in Aussicht: Absoluter Tiefpunkt! Schrumpfung! Zeitbombe! Irre Schlacht!

18
Aug 2010

Zurück aus der Sommerpause, werden die Debatten und Vorschläge kontroverser, die Zahlen zweideutiger, die Headlines reißerischer. Heutige Titel in der  BILD: “Die irre Schlacht um Azubis. Unternehmen ködern Lehrlinge mit Geschenken und Prämien. Sachgeschenken wie Notebooks zum abgeschlossenen Vertrag. Einige zahlen Prämien für gute Leistungen.” und in der FAZ: “Lehrlingsmangel im Osten. Nicht nur ostdeutsche Handwerksbetriebe müssen sich einiges einfallen lassen, um überhaupt noch Lehrlinge zu finden.”

Das ist alles nicht mal neu, der Tagesspiegel titelte schon im August 2008: “Lehrstellen bleiben Leerstellen” und fand den Titel – zu recht – so originell, dass die Headline im Februar 2010 wieder aufgewärmt wurde: “Viele Lehrstellen bleiben Leerstellen.” Eine neue dramatischere Headline folgte: “Zeitbombe demografischer Wandel” und „Wir stehen vor einer gigantischen Herausforderung“ Der Tagesspiegel 31.03.2010. „Absoluter Tiefpunkt bei den Schülerzahlen“ Bild 16.03.2010. „Die demografische Entwicklung reißt eine Nachwuchslücke auf.“ Handelsblatt 16.03.2010. “Es gibt Zahlen, die können Angst machen. Es kommt etwas auf uns zu, was es so noch nie gegeben hat.” Dr. Ulrich, Statistiker beim BIBB am 27.01.2o10.

Die BILD zitiert heute den DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks so: „Allein 2010 wird es 50 000 Ausbildungsplätze geben, die die Unternehmen nicht besetzen können, weil qualifizierte Bewerber fehlen.” Die Zahl ist gar nicht mal neu, denn schon im April stellte der DIHK nach einer Umfrage unter 15.000 Unternehmen fest, dass schon 2009 Lehrstellen unbesetzt geblieben sind… auch 50.000. Zusammen macht das 100.000 unbesetzte Lehrstellen laut DIHK in 2009 und voraussichtlich 2010. …weiterlesen »

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15.000 Ausbildungsbetriebe befragt. Warum wird Berufswahl nicht so professionell betrieben wie der Bau von Luxusautos?

11
Apr 2010

Immer öfter berichten die Medien über die angeblich nicht “ausbildungsreifen” Schüler. Den krassesten Kommentar schrieb Peter Hahne in der BamS: „… da ein Großteil jedoch nicht ausbildungsfähig ist, gibt es für die Rentner keinen schönen Lebensabend. ­Sondern nur stockfinstere Nacht.“ Im Bildungsbericht des DIHK steht: 50.000 Stellen unbesetzt. Größtes Ausbildungshemmnis: die mangelnde Qualifikation der Bewerber. Die Mehrheit der deutschen Unternehmen organisiert Nachhilfestunden. Gründe aus dem Bericht, für den 15.000 Ausbildungsbetriebe befragt wurden:

  1. 63% der Betriebe gaben als Grund an, es lagen keine geeigneten Bewerbungen vor, bei IT/Medien sogar 71%.
  2. 19% machen die Erfahrung, die Ausbildungsplätze wurden von den Auszubildenden nicht angetreten, bei Banken und Versicherungen sogar 42%.

Das ist ohne Frage dramatisch. Dass 17% der Ausbildungsverträge von den Azubis nach Beginn der Ausbildung aufgelöst werden, kostet neben viel Frust auch viel Geld. Ich hatte 2008 schon mal nachgerechnet: 500 Millionen € Lohnzahlung an Abbrecher (bei durchschnittlich 3 Monaten bis zum Abbruch).

Aber bei all dem Jammer stellt sich mir eine Frage von Tag zu Tag lauter – und ich vermisse sie in der öffentlichen Debatte:

Warum wird Berufswahl nicht so professionell betrieben wie der Bau von Luxusautos oder die Gewinnung Regenerativer Energien? Warum gibt es in der Berufsorientierung kein Kultbuch und Hörspiel wie das der Drei Fragezeichen „???“ Justus, Peter und Bob?

Warum wird der Wandel der Arbeitswelt nicht so unterhaltsam dargestellt wie die „ICE AGE“-Filme? Thomas Hermanns hat mal gesagt: „Je ernster das Thema, desto anspruchsvoller der Humor.“ Ich vermisse in der Berufsorientierung professionelle Filme mit Kino-Niveau. Musik mit Download-Niveau. Spannende Storys.

Dafür sucht YOUNECT Partner. Denn Exzellenz zieht Exzellenz an. Wenn Deutschland zu einer Exzellenzgesellschaft aufbrechen will, die von Bildung geprägt ist, wie es der Autor Gunter Dueck zu Recht fordert, dann wird das eine exzellente Wirkung entfalten.

Aber bitte bedenkt dabei: Jeder Mensch will wissen, “WaBriMiDa?” Sie, ich und Schüler auch.Was hat der Schüler von exzellenter Bildung? und was von exzellenter Berufsorientierung? Wer erklärt dies exzellent und macht Berufswahl schmackhaft?

Schüler brauchen in der Berufsorientierung andere Angebote als Erwachsene, weil sie vor ganz anderen Herausforderungen stehen. Sie müssen – ohne überfordert zu werden – erst mal die Fülle an Möglichkeiten kennen lernen. Schüler müssen sich erst mal austesten und den innersten Antrieb herausfinden, hohe Ziele stecken lernen. Und Schüler brauchen Vorbilder, um aktiv zu werden. Dich, Sie und mich. …weiterlesen »

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