Der Traumberuf wurde Wirklichkeit: Priska Hinz ist Sprecherin für Bildungspolitik

4
Sep 2009

Priska Hinz Bündnis 90 die GrünenUnsere Reihe der Interviews mit Politikern wollen wir nun mit Priska Hinz, Bundestagsabgeordnete der Grünen fortsetzen. Auch sie berichtete uns von ihrer persönlichen Vergangenheit und ihren politischen Zielen…

YOUNECT: Bitte stellen Sie sich doch kurz vor: Wie heißen Sie? Wer sind Sie? In welchem Beruf arbeiten Sie? Welche Position besetzen Sie genau?

Priska Hinz: Mein Name ist Priska Hinz. Ich bin hessische Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen. Als bildungs- und forschungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion bin ich für alle Bildungsthemen von der Kita bis zur Hochschule verantwortlich. Darüber hinaus kümmere ich mich um Forschungs- und Innovationspolitik sowie um Fragen der Ethik.

YOUNECT: Welcher Partei gehören Sie an und was sind deren wichtigste Ziele?

Priska Hinz: Wir Grünen setzen uns ganz stark für eine bessere Umwelt- und Klimapolitik ein. Wir wollen erneuerbare Energien konsequent fördern und aus der hochriskanten Atomenergie endlich aussteigen. Das nützt nicht nur der Umwelt, sondern schafft vor allem auch Arbeitsplätze in Deutschland. Denn durch Forschung und Investitionen in hochmoderne Umwelttechnologien können wir wieder weltweit die Nummer eins auf diesem Gebiet werden.

Ganz wichtig ist uns eine bessere Bildungspolitik. Wir brauchen mehr Geld für gute Kitas, Ganztagsschulen mit individueller Förderung und mehr und gebührenfreie Studienplätze. Wir wollen das Recht jedes Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz endlich umsetzen. Damit kein Jugendlicher seine Zeit mehr in Warteschleifen im Übergangssystem verschwenden muss, haben wir das Konzept DualPlus entwickelt.

Um die aktuelle Wirtschaftskrise zu überwinden, wollen wir Grüne 1 Million neue Jobs in der Umwelttechnik, im Bildungssektor und im Pflege- und Gesundheitssystem schaffen. Die soziale Gerechtigkeit in Deutschland muss verbessert werden. Wir schlagen vor, den Hartz IV Satz auf 420 Euro zu erhöhen, einen flächendeckenden Mindestlohn einzuführen und besonders Kinder besser zu unterstützen. Durch eine Steuerreform wollen wir die Vermögenden in Deutschland stärker an der Finanzierung der Staatsaufgaben beteiligen.

YOUNECT: Als Sie Kind waren, hatten Sie sicher einen Berufswunsch/Traumberuf. Welcher war das und was machte für Sie den Reiz an diesem Beruf aus?

Priska Hinz: Meinen Traumberuf als Kind habe ich später auch verwirklicht: Erzieherin. Es war schon immer mein Wunsch, Kinder zu unterstützen ihre Fähigkeiten so gut wie möglich zu entwickeln. Indem ich mich als Bildungspolitikerin für bessere Kitas und Schulen einsetze, bin ich diesem Thema auf anderer Ebene treu geblieben. …weiterlesen »

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Erschreckend: Geringerer Lohn und weniger Urlaub für Azubinen

4
Sep 2009

Am 28. August 2009 wurde ich über einen Zeitungsartikel in der Welt kompakt auf die erschreckenden Ergebnisse einer Studie aufmerksam, derzufolge männliche Lehrlinge ihre Ausbildung unter deutlich besseren Bedingungen absolvieren können, als weibliche. Der Ausbildungsreport 2009 des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zeigt auffällige Unterschiede zwischen männlich und weiblich dominierten Ausbildungsberufen. Dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer scheint allgemein bekannt zu sein, “dass die Unterschiede zwischen Frauen und Männern schon in der Ausbildung so auffällig sind” überraschte aber auch Ingrid Sehrbrock, Viezechefin der DGB.

Der Ausbildungsreport basiert auf einer repräsentativen bundesweiten Befragung von 6920 Auszubildenden aus den, laut Bundesinstitut für Berufsbildung, 25 häufigsten Ausbildungsberufen. Die Forscher haben männlich dominierte Jobs wie Anlagemechaniker, Elektroniker oder Tischler mit weiblich dominierten Berufen, wie Friseurin, Hotelfachfrau oder medizinische Fachangestellte verglichen und festgestellt, dass junge Frauen unter schlechteren Bedingungen arbeiten als Männer: Sie bekommen weniger Lohn und Urlaub und leisten mehr Überstunden. Der Pressemeldung des DGB ist zu entnehmen, dass die Ausbildungsvergütung in männlich dominierten Berufen “im Schnitt mehr als 100 Euro oder fast 22 Prozent höher als in Frauenberufen” liegt. Auch beim Überstundenausgleich und den Urlaubstagen setzt sich dieser Trend fort: “Junge Metallbauer oder Elektroniker haben im Durchschnitt drei Tage mehr Urlaub als junge Friseurinnen oder medizinische Fachangestellte”, heißt es beispielsweise in dem aktuellen Ausbildungsreport.

Im Ranking der 25 häufigsten Ausbildungsberufe wurden laut DGB die FachinformatikerInnen am besten beurteilt, gefolgt von IndustriemechanikerInnen und Bankkaufleuten. Auf den letzten drei Rängen sind FachverkäuferInnen im Lebensmittelhandwerk, Hotelfachleute und Restaurantfachleute gelandet. Hauptkritikpunkt war dabei die hohe Anzahl an Überstunden. Fast 72 Prozent der angehenden Restaurantfachleute und 65 Prozent der Köche/Köchinnen berichten von regelmäßigen Überstunden. Bei den IndustriemechanikerInnen sind es dagegen weniger als 20 Prozent. Daher stellt sich inzwischen vielen die Frage, ob Ausbildungsbetriebe nicht systematisch von den Kammern kontrolliert werden sollten, um Ordnungswidrigkeiten aufzeigen und sanktionieren zu können. Auch Ingrid Sehrbrock fordert, die Arbeit von Frauen in diesen Berufen müsse endlich angemessen vergütet und gewürdigt werden: “Frauen dürfen nicht länger dafür bestraft werden, dass sie Dienstleistungen erbringen, Menschen pflegen oder beruflich Kinder erziehen.”

Dieser Meinung möchte ich mich natürlich anschließen, nicht zuletzt, weil auch ich einen weiblich dominierten Beruf (Psychologin) erlerne. Zwar sehe ich, dass sich unsere Gesellschaft hinsichtlich der Gleichberechtigung von Männern und Frauen auf dem richtigen Weg befindet, dennoch können einen Nachrichten wie die eben beschriebene schnell auf den Boden der Tatsachen zurück holen und zeigen, dass wir das Ziel der Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht haben. Es genügt langfristig nicht, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen stetig zunimmt und Berufe, die lange Zeit Männern vorbehalten waren (wie zum Beispiel bei der Bundeswehr) mittlerweile auch Frauen offen stehen, wenn gleichzeitig hinsichtlich der  Erwerbseinkommen von Männern und Frauen große Ungleichheit herrscht. Besonders, dass dieser Unterschied schon während der Ausbildungszeit deutlich wird, stimmt mich nachdenklich.

Mich würde sehr interessieren, was ihr, liebe Schüler und Azubis, oder Sie als Berufstätige darüber denken:

Ist es schlichtweg ungerechtfertigt bei den Gehältern Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu machen? Oder liegt die Rechtfertigung darin, dass Frauen häufiger Stellen besetzten (wollen), in denen man weniger Verantwortung hat? Bleiben in Frauen-dominierten Berufen auch zukünftig Frauen unter sich, weil Männer von geringeren Verdienstmöglichkeiten abgeschreckt werden? Wo gäbe es Lösungsansätze für diese Probleme?

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