Implizite Religiosität und was uns im Leben trägt und leitet

10
Aug 2009

Dieses Buch bohrt tief und ist richtig schwere Kost. Es enthält sehr viele statistische Informationen und ist daher für Nicht-Wissenschaftler ungewöhnlicher Lesestoff. “Implizite Religiosität” wirft Fragen auf, die im Alltag oft auf der Strecke bleiben. Dabei bestimmen sie alles, was wir tagtäglich und tatsächlich tun. Dr. Tatjana Schnell hat dazu an der Universität Trier ihre Dissertation geschrieben, die 2009 in einer Neuauflage veröffentlicht wurde. Sie forscht heute an der Universität Innsbruck und baut dort die Sinnforschung auf.

In dem Buch “Implizite Religiosität – Zur Psychologie des Lebenssinns” geht es um die Fragen: Was trägt uns im Leben? Was leitet unsere Gedanken, unser Verhalten, unsere Gefühle? Welche letztgültigen Bedeutungen liegen unserem Leben zugrunde? Vielfältige Studien haben gezeigt, dass diese letztgültigen Bedeutungen – wir nennen sie Lebensbedeutungen – fünf Bereichen zugeordnet werden können:

  1. Selbsttranszendenz: Überschreitung eigener Bedürfnisse und Orientierung an einem größeren Ganzen (vertikal: an einer jenseitigen Macht; horizontal: an diesseitigen größeren Zusammenhängen)
  2. Selbstverwirklichung: aktive Entwicklung eigener Potentiale
  3. Ordnung: Bewahrung und Mäßigung
  4. Wir- und Wohlgefühl: Erlangen und Erhalten von körperlichem, seelischem und sozialem Wohlbefinden

Dabei ist Selbsttranszendenz der beste Prädiktor für ein sinnerfülltes Leben. Hilfreich ist es aber auch, wenn nicht nur eine, sondern mehrere Lebensbedeutungen verfolgt werden. Und noch besser, wenn diese aus unterschiedlichen Bereichen stammen! (S. auch Schnell, 2008).   Diejenigen Lebensbedeutungen, die für einen Menschen sehr zentral sind, werden häufig in ‘typisch religiösen’ Formen ausgedrückt: Sie sind wichtiger Bestandteil des (persönlichen) Mythos; sie werden regelmäßig im Handeln umgesetzt, in (persönlichen) Ritualen; und sie können Transzendierungserfahrungen erleichtern – also solche Momente, in denen wir für einen Moment über uns selbst hinauswachsen, uns selbst vergessen, eins werden mit der Welt…   In dem Buch werden persönliche Mythen, persönliche Rituale und Transzendierungserfahrungen ausführlich erläutert. Ihre empirische Erhebung wird beschrieben, Zusammenhänge untereinander und mit anderen Variablen werden dargestellt. Im zweiten Teil des Buches wird der Übergang von qualitativer zu quantitativer Forschung beschrieben: So wurde der Fragebogen zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn (LeBe; Schnell & Becker, 2007) aus den qualitativen Ergebnissen heraus entwickelt.

Schnell, Tatjana (2009). Implizite Religiosität – Zur Psychologie des Lebenssinns. Lengerich: Pabst Science Publishers. Überarbeitete Neuauflage

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Sinn und persönliche Lebensbedeutungen im Beruf

10
Aug 2009

Im Rahmen des Projekts ‘Sinn im Beruf’ untersuchen Dr. Tatjana Schnell und Mag. Sabine Gapp, inwieweit persönliche Lebensbedeutungen im Beruf verwirklicht werden können. Anlass für diese Forschungsfrage ist der häufig replizierte Befund, dass sehr viele ArbeitnehmerInnen keine „echte Verpflichtung gegenüber ihrer Arbeit” verspüren (Gallup Organization, 2008). Dies wird – neben dem Führungsstil der Unternehmen – vor allem darauf zurückgeführt, dass ArbeitnehmerInnen eine Position ausfüllen, die ihnen nicht wirklich hundertprozentig liegt.

Diese fehlende Passung kann einerseits darauf zurückgeführt werden, dass eine Über- oder Unterforderung bezüglich der beruflichen Kompetenzen vorliegt. Zusätzlich rückt ein weiterer Faktor immer mehr in den Vordergrund, der die Frage nach dem Sinnerleben im Beruf thematisiert. Erste Studien haben ergeben, dass Sinnerfüllung am Arbeitsplatz den engsten Zusammenhang zum Engagement im Beruf aufweist; zudem werden Zusammenhänge zwischen job enrichment und work role fit mit dem beruflichen Engagement vollkommen durch die erlebte Sinnerfüllung mediiert (May, Gilson & Harter, 2004). Eigene Studien haben gezeigt, dass sich Berufsgruppen signifikant bezüglich der Lebensbedeutungen unterscheiden, die in ihnen verwirklicht werden können. Wie erwartet steigt auch die Arbeitszufriedenheit mit dem Sinnerleben an der Arbeit an (Schnell & Becker, 2007).

In weiteren Untersuchungen wird nun erkundet, welche existentiellen Bedeutungen ArbeitnehmerInnen ihren beruflichen Tätigkeiten zuschreiben (-> Diagnostik und Differenzierung beruflicher Sinnquellen), und ob diese mit den (Lebens-)Bedeutungen übereinstimmen, die sie auch in anderen Lebensbereichen ihrem Handeln zugrunde legen. Die Resultate der Analyse werden, unter Einbezug beruflicher Kompetenzen, bzgl. ihrer Vorhersagekraft für Arbeitszufriedenheit und Engagement am Arbeitsplatz untersucht.

Neben grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnissen wird eine konkrete Anwendbarkeit dieser Ergebnisse angestrebt. So soll die Quantifizierung persönlicher Lebensbedeutungen, beruflicher Kompetenzen und Anforderungen der Arbeitgeber ein verbessertes Matching zwischen Arbeitsuchenden und beruflichen Positionen ermöglichen, das mit einem als sinnvoll erlebten Berufsleben, einer hohen Arbeitszufriedenheit und hohem Engagement gegenüber der Arbeit einhergeht.

Dr. Tatjana Schnell ist Autorin des Buches Implizite Religiosität – Zur Psychologie des Lebenssinns”, überarbeitete Neuauflage 2009

YOUNECT unterstützt diese Forschung in einer Kooperation mit der Universität Innsbruck, da das Thema der Passung und Arbeitszufriedenheit ein Motor ist, der uns antreibt. Wir wünschen dem Team der Sinnforschung viele spannende Erkenntnisse und passende Schlussfolgerungen für die Theorie und für die Praxis.

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