BITKOM: Internet verdrängt Freundschaften nicht. Daten gut schützen. Googelnde Personaler als urbaner Mythos widerlegt

31
Jan 2011

Neue Studie des BITKOM unter über 700 Jugendlichen im Alter von 10- bis 18 in Deutschland. Ergebnis: “Das Internet hat für Jugendliche herausragende Bedeutung, aber es verdrängt nicht Freundschaften und Schule”, nennt BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer ein wichtiges Ergebnis der Studie “Jugend 2.0″. Nach der repräsentativen Erhebung sind Freunde, Familie und gute Noten im Leben junger Leute wichtiger als das Netz. Die große Mehrheit der 10- bis 18-Jährigen verbringt mehr Zeit mit Freunden oder Hausaufgaben als im Web. “Die meisten Jugendlichen wissen das Web sinnvoll einzusetzen”, so Scheer. 98 Prozent der 10- bis 18-Jährigen nutzen das Internet. Scheer: “Fast alle Zehnjährigen bewegen sich regelmäßig im Internet. Mit 13 Jahren sind die meisten täglich online”. Die komplette Studie gibt es als PDF.

BITKOM warnt aufgrund der Studie: Jeder vierte Teenager schützt Daten in Communitys nicht ausreichend. Darunter fallen Vor- und Nachnamen, die 44 Prozent komplett nennen, der Beziehungsstatus (50 Prozent) und die E-Mail-Adresse (41 Prozent). „Solche Angaben sollten in der Regel nur Freunde und gute Bekannte sehen“, so Scheer. Der BITKOM rät insbesondere jüngeren Teenagern und deren Eltern zur Nutzung der detaillierten Einstellungen zur Privatsphäre in den Sozialen Netzwerken. Von 19 Prozent der befragten Jugendlichen können alle Netzwerk-Mitglieder und teilweise sogar alle Internetnutzer private Daten sehen.

Dabei geht es vor allem um die Sicherheit der Privatsphäre der Minderjährigen. Die weit verbreitete Annahme, dass Bewerber in Sozialen Netzwerken von ihren zukünftigen Arbeitgebern ausspioniert werden, ist widerlegt worden. Im Gegenteil: Personaler spähen Bewerber nur selten mithilfe von Suchmaschinen aus. Auch Soziale Netzwerke spielen bei der Bewerberauswahl einer neuen Studie zufolge kaum eine Rolle. Heiner Stahl von der Universität Erfurt ist sich sicher: “Der googelnde Personaler ist ein urbaner Mythos.” Moderne Legenden entstehen durch Behauptungen, die über neue Medien so lange weiterverbreitet werden, bis sie durch die Massenverbreitung und häufige Wiederholung eine gefühlte Wahrheit sind. Ist die Nachricht nur aufregend genug, findet sie schnell unhinterfragt Verbreitung. So auch die Nachricht, dass Mr. und Mrs. Obamas nicht auf der Gästeliste der königlichen Hochzeit in England stehen. Der Kommunikationswissenschaftler Stahl aus Erfurt meint zur urbanen Legende der Personaler, die in Sozialen Netzwerken schnüffeln: “Vielen Studien, die das behaupten, fehlt eine empirische Grundlage. Vom gläsernen Bewerber sind wir weit entfernt.” Überzeugend klingt an Heiner Stahls Klarstellung, dass vielen Personalabteilungen der Zeitaufwand für einen vorherigen Check der Bewerber im Internet zu hoch ist.

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Implizite Religiosität und was uns im Leben trägt und leitet

10
Aug 2009

Dieses Buch bohrt tief und ist richtig schwere Kost. Es enthält sehr viele statistische Informationen und ist daher für Nicht-Wissenschaftler ungewöhnlicher Lesestoff. “Implizite Religiosität” wirft Fragen auf, die im Alltag oft auf der Strecke bleiben. Dabei bestimmen sie alles, was wir tagtäglich und tatsächlich tun. Dr. Tatjana Schnell hat dazu an der Universität Trier ihre Dissertation geschrieben, die 2009 in einer Neuauflage veröffentlicht wurde. Sie forscht heute an der Universität Innsbruck und baut dort die Sinnforschung auf.

In dem Buch “Implizite Religiosität – Zur Psychologie des Lebenssinns” geht es um die Fragen: Was trägt uns im Leben? Was leitet unsere Gedanken, unser Verhalten, unsere Gefühle? Welche letztgültigen Bedeutungen liegen unserem Leben zugrunde? Vielfältige Studien haben gezeigt, dass diese letztgültigen Bedeutungen – wir nennen sie Lebensbedeutungen – fünf Bereichen zugeordnet werden können:

  1. Selbsttranszendenz: Überschreitung eigener Bedürfnisse und Orientierung an einem größeren Ganzen (vertikal: an einer jenseitigen Macht; horizontal: an diesseitigen größeren Zusammenhängen)
  2. Selbstverwirklichung: aktive Entwicklung eigener Potentiale
  3. Ordnung: Bewahrung und Mäßigung
  4. Wir- und Wohlgefühl: Erlangen und Erhalten von körperlichem, seelischem und sozialem Wohlbefinden

Dabei ist Selbsttranszendenz der beste Prädiktor für ein sinnerfülltes Leben. Hilfreich ist es aber auch, wenn nicht nur eine, sondern mehrere Lebensbedeutungen verfolgt werden. Und noch besser, wenn diese aus unterschiedlichen Bereichen stammen! (S. auch Schnell, 2008).   Diejenigen Lebensbedeutungen, die für einen Menschen sehr zentral sind, werden häufig in ‘typisch religiösen’ Formen ausgedrückt: Sie sind wichtiger Bestandteil des (persönlichen) Mythos; sie werden regelmäßig im Handeln umgesetzt, in (persönlichen) Ritualen; und sie können Transzendierungserfahrungen erleichtern – also solche Momente, in denen wir für einen Moment über uns selbst hinauswachsen, uns selbst vergessen, eins werden mit der Welt…   In dem Buch werden persönliche Mythen, persönliche Rituale und Transzendierungserfahrungen ausführlich erläutert. Ihre empirische Erhebung wird beschrieben, Zusammenhänge untereinander und mit anderen Variablen werden dargestellt. Im zweiten Teil des Buches wird der Übergang von qualitativer zu quantitativer Forschung beschrieben: So wurde der Fragebogen zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn (LeBe; Schnell & Becker, 2007) aus den qualitativen Ergebnissen heraus entwickelt.

Schnell, Tatjana (2009). Implizite Religiosität – Zur Psychologie des Lebenssinns. Lengerich: Pabst Science Publishers. Überarbeitete Neuauflage

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