Gastartikel von Robert Behler: Ingenieurinnen gesucht

Das Wort Ingenieur hat natürlich jeder von uns schon einmal gehört, jedoch ist es schwer sich unter dem Begriff eine spezielle Tätigkeit vorzustellen. Dies mag daran liegen, dass das Berufsfeld eines Ingenieurs ungemein vielfältig ist und es infolgedessen unzählige Spezialgebiete gibt, in denen Ingenieure arbeiten. Was die meisten jedoch wissen ist, dass der Beruf mit den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu tun hat, welche von Schülern bekanntlich entweder geliebt oder verabscheut werden. Infolgedessen sollte man für diesen Beruf eine gewisse mathematische Begabung und ein Grundverständnis und Interesse für technische Vorgänge mitbringen.

Bevor man den Abschluss Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.) in der Tasche hat, muss man ein Studium an einer Universität abschließen, welches in der Regel fünf Jahre dauert. Auch das Studium an einer Fachhochschule ist möglich. Nach vier erfolgreich abgeschlossenen Jahren trägt man dann den Titel Diplom-Ingenieur (FH). Seit dem Bologna Prozess haben jedoch viele Hochschulen ihr System auf die Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt. Anstelle des Diplom-Ingenieurs erhält man an diesen Hochschulen den akademischen Titel Bachelor bzw. Master of Engineering (M.Eng.) oder Science (M.Sc.).

Meist wählt man bereits während des Studiums, beziehungsweise spätestens im Master, einen Schwerpunkt, wie zum Beispiel Chemie- und Verfahrenstechnik, Feinwerktechnik, Produktionstechnik, Energietechnik oder Antriebstechnik. Die Anwendungsgebiete gehen also von feinen, elektrischen Geräten wie Handys und Computern über Roboter und Automaten bis hin zu großen Erzeugnissen wie Schiffen, Automobilen und Flugzeugen. Zusammenfassend kann man also sagen, dass ein Ingenieur von Nöten ist, sobald es um Technik oder Bewegung geht. Aufgrund der vielen Spezialgebiete, arbeiten Ingenieure meistens im Team, wenn es eine knifflige Aufgabe zu lösen gibt, somit ist Teamfähigkeit eine wichtige Qualifikation, die man mitbringen sollte.

Obwohl der Maschinenbau Deutschlands Schlüsselindustrie ist, sind laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) nur 7% der Beschäftigten weiblich. Dies sei zwar bereits ein Fortschritt jedoch müsse noch viel geschehen, damit die Frauenquote in technischen Berufen steige, da das zentrale Problem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei. Die bei diesem Thema noch zu machenden Hausaufgaben lägen jedoch nicht nur bei den Unternehmen, sondern auch bei der Politik und den Tarifpartnern, so der VDMA.

Ein weiterer Faktor ist die verbreitete Einstellung, dass Frauen von Grund auf schlechter in MINT-Fächern seien. Dieser Irrglaube ist in den Köpfen vieler verankert, obwohl die Erfahrung in den Schulen das Gegenteil zeigt. Es gibt viele Mädchen, die in genau diesen Fächern überdurchschnittlich stark sind. Dennoch trauen sich viele davon nicht zu in einer Männerdomäne wie dem Maschinenbau zu arbeiten, da sie Angst haben, sich ständig beweisen und durchschlagen zu müssen. Fragt man jedoch die Frauen, die diesen Schritt gewagt haben, bekommt man hauptsächlich positive Resonanz. So gibt es Situationen, wo man als Frau mit viel technischem Fachwissen viel Respekt und Anerkennung von den männlichen Kollegen bekommt. Ist die Kompetenzfrage geklärt, wird man dann wie jeder andere Kollege behandelt, was schließlich der Idealfall sein sollte.

Oft wird auch betont, dass das Kommunikationstalent von Frauen eine Qualifikation ist, die in vielen Unternehmen der Technikbranche fehlt und heutzutage zunehmend wichtiger wird. Aufgrund der Exporte ins Ausland sind auch Sprach- und Kulturkenntnisse gefragt, was den Beruf der Ingenieurin ungemein interessant vielseitig macht. Auch die Aufstiegschancen für Frauen seien sehr hoch, denn laut VDMA sind bereits 14% des Topmanagements im Maschinenbau von Frauen besetzt, was bei einem Anteil von nur 7% eine gute Bilanz ist.

Diesen Gastartikel schrieb Robert Behler von der Firma Kollmorgen. Vielen Dank.

03/2012 der gemeinderat “Pool mit Bindungswirkung”

der gemeinderat 03/2012 berichtet: “Auf Initiative der Gemeinden entstehen in Goslar und Coburg drei Talentpools, um Fach- und Führungskräfte sowie qualifizierte Auszubildende zu binden.”

Der Vorsitzende des pro Goslar e.V. Peter Weihe wird zitiert: „Vor dem Hintergrund des in unserer Region zunehmenden allgemeinen Fachkräftemangels sehen wir in dem Talentpool der Wirtschaftsregion Goslar eine gute Chance, dieser Negativentwicklung erfolgreich entgegenzusteuern.“ Ratsherr Pascal Bothe führt zum Talentpool in Goslar aus: „Wir sind daher darauf angewiesen, dass junge, engagierte Fachkräfte zu uns in die Region kommen und hier bleiben. Der Talentpool bietet in meinen Augen genau das richtige Werkzeug dafür.“

Stefan Hinterleitner, Geschäftsführer des Regionalmanagements Coburger Land, zeichnet für den Fach- und Führungskräfte-Talentpool verantwortlich und setzt auf Empfehlungen von regionalen Unternehmen: “Wir sind ein starker und attraktiver Wirtschaftsstandort. Doch aufgrund der peripheren Lage ist dies bei vielen Fachkräften nicht bekannt. Mit dem ‘Talentpool Coburg für Fach- und Führungskräfte’ wollen wir Spezialisten, die sich einmal für eine Karriere in der Region interessiert haben, auch langfristig für uns und unsere Unternehmen gewinnen.” René Leibold, Geschäftsführer der connect Neustadt GmbH und Beirat der ‘Coburger Arbeitsmarktinitiative‘, empfand die Entscheidung für den zweiten Talentpool in Coburg als einfach: „Wir machen den Talentpool für Auszubildende, weil wir so insbesondere KMU die Möglichkeit bieten, an qualifizierte, junge Bewerber zu kommen. Zudem ist die Technik erprobt und das Invest überschaubar.“

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